Gedanken zur Freiberuflichkeit

Wofür arbeiten wir? Und wie sollte es eigentlich laufen? Dazu ist schon viel geschrieben worden - schlaues und weniger schlaues.

Henry David Thoreau

Unverzichtbar ist nach wie vor der gute alte Henry David Thoreau.

Sein Werk "Walden" ist der Klassiker, ohne den zu kennen man eigentlich nicht mitzureden versuchen sollte.

Den heute irrelevanten "Transzendentalisten"-Quatsch sollte man mal beiseite lassen, auch seinen Hang zum in meinen Augen nicht angebrachten Pathos. (Eben dieses Pathos hat schon dazu beigetragen, dass 22-jährige allein in Alaska verhungern, siehe Wikipedia-Eintrag und Film-Website zu "Into the Wild". Sowohl Buch als auch Film sind sehr empfehlenswert. Es liegt hier der seltene Fall vor, dass beide Werke ihren Wert unabhängig voneinander haben. Gerade die Abweichungen machen die Sache interessant.)

Wenn man das Thoreau'sche Pathos ignoriert (vom Glück, ein Atheist zu sein, mal an anderer Stelle mehr), bleiben von "Walden" in etwa folgende Kernaussagen übrig:

    Der Mensch kann Freiheit nur erlangen, wenn er niemals für Luxus, sondern nur für das Leben arbeitet.

    Arbeit nahe der Natur ist anderer Arbeit vorzuziehen.

    Wer kann, sollte alles tun, um sich selbst zu ernähren.

Aus diesen Grundsätzen wird sofort klar, dass alle Kommunisten, die von sich behaupten, Thoreau-Fans zu sein, mindestens eines von beidem nicht sein können. Man kann sagen, dass das Lebenswerk Thoreaus wesentlich dazu beigetragen hat, dass in Nordamerika der Kommunismus, so wie wir ihn in Europa ertragen mussten, nie eine Chance hatte.

Harriet Rubin

Auch nicht soo schlecht: "Soloing" von Harriet Rubin. Die Autorin beschreibt hier, wie sie nach(!) dem kompletten Erklimmen der "Corporate Ladder" sich für die Freiberuflichkeit entscheidet, und wie es ihr dabei so geht.

Sie sagt zwar ständig, dass sie kein "Freelancer" sei - und ist es natürlich trotzdem. Die ängstliche Vermeidung des Begriffes an sich kommt wohl daher, dass die gute Frau einen gewissen Dünkel gegenüber freiberuflichen z.B. EDV-Kräften hegt. Zu wenig künstlerische Ader, diese EDV-Freiberufler!

Und da wären wir bei den Kernaussagen: Besonders wichtig ist ihr bei ihrer Vorstellung von idealer Arbeit die Verwandtschaft zu künstlerischer Tätigkeit. Ein weiterer Grundgedanke ist die Wichtigkeit, bestimmte Lebensphasen komplett alleine zu bewältigen.

Aus "Soloing" ist übrigens auch das coole Zitat "Have a boss, and you are trapped. Be a boss, and you are trapped."

Richard Sennett

Leider muss ich ihn erwähnen und gleich verreißen. Sein "craftsman" sollte das große Kompendium schlechthin zum Wesen der Arbeitswelt (insbes. ihrer Geschichte) werden und wurde auch dementsprechend beworben. Ich kann nur sagen, dass ich von dem unsystematischen Zusammengeschreibsel enttäuscht war, und nicht in der Lage war, dem Werk einen originellen Gedanken, von einem roten Faden ganz zu schweigen, zu entnehmen. Kann natürlich auch nur an meiner Blödheit liegen, wer weiß.

Kopf schlägt Kapital

Lese ich demnächst... (Sommer 2009)